Küste Kroatiens

Küste Kroatiens

25. August 2018 0 Von reisekurier

Mit der »MS Berlin« entlang der Küste Kroatiens

Es geht kaum intensiver. Auf einer siebentägigen Kreuzfahrt durch die Adria lassen sich gleich zehn Häfen in Kroatien, Slowenien, Italien und Montenegro anlaufen und ganz entspannt geniessen. Eine Reise mit Suchtpotential. 

TEXT + FOTOS: Maik Günther

Die Hotspots von Kreuzfahrten in europäischen Hochseegebieten liegen im Sommer vornehmlich an der Ostsee und entlang der norwegischen Küste. In der kalten Jahreszeit werden häufig die Kanaren aufgesucht und ganzjährig wird das Mittelmeer von allen großen Reedereien mit unzähligen Schiffen angesteuert. Kleinere Kreuzfahrtschiffe suchen und finden perfekte Nischen und bieten neue Fahrgebiete an, die vom Massentourismus bislang weitestgehend verschont geblieben sind. Mit der „MS Berlin“ von FTI Cruises hat sich der „Reise-Kurier“ im Herbst letzten Jahres auf eine Tour durch die Adria, vornehmlich entlang der kroatischen Küste, gemacht. 

Unsere siebentägige Reise startet in der italienischen Lagunenstadt Venedig. Per Flugzeug ist die Anreise von fast allen deutschen Airports aus in knapp eineinhalb Stunden als Direktverbindung möglich. Wir kommen am recht zentrumsnahen Flughafen „Marco Polo“ an. Hier bieten sich zahlreiche Möglichkeiten, wie man am schnellsten, bequemsten oder günstigsten zum „Piazzale Roma“, dem verkehrstechnischen Knotenpunkt Venedigs, ganz in die Nähe des Kreuzfahrtterminals, kommt. Für ca. 120 Euro kann man sich stilecht mit dem privaten Wassertaxi zum Hafen bringen lassen. Wer die Gesellschaft von Mitreisenden schätzt und ein paar Euro sparen möchte, kann sich für das Linienboot „AliLaguna“ entscheiden. Hier kostet die einfache Fahrt lediglich 15 Euro pro Person, wobei man allerdings noch einige Haltestellen und eine längere Fahrzeit in Kauf nehmen muss. Die günstigste Lösung ist sicher der Bus. Mit dem öffentlichen „ACTV Aero Bus“ kostet die Fahrt schlappe 7,50 Euro. Ein echtes Schnäppchen! Wir entscheiden uns für diese Variante und passieren auf unserer ca. 40-minütigen Tour die Vororte Venedigs. In den letzten Jahren haben sich hier immer mehr Hotels und Pensionen niedergelassen. Viele Gäste schätzen hier das deutlich bessere Preis-Leistungs-Verhältnis und die gute Erreichbarkeit des touristisch deutlich überlaufenen Zentrums Venedigs. Über die Straße „Via della Libertá“, die das Festland mit der Insel verbindet, erreicht unser Bus seine Endstation „Piazzale Roma“. Es bleibt noch Zeit für einen italienischen Espresso und schon geht es weiter mit dem „People Mover“, einer selbstfahrenden Kabinenbahn, die zum Fahrpreis von 1,50 Euro eine fixe Verbindung zur Station „Marittima“, dem Kreuzfahrthafen Venedigs, ermöglicht. Wir sind da, müssen aber erstmal schauen, ob unser Schiff, die kleine „MS Berlin“, auch schon angekommen ist. Am Terminal 109 soll sie liegen. Die großen Kreuzfahrtschiffe sind unübersehbar. Der Schornstein der „Berlin“ schaut nur knapp über die Hallen der Passagierabfertigung hinaus. 

Freundlich weisen uns die ersten Crewmitglieder den Weg. Wir geben die Koffer ab, kümmern uns um die Formalitäten und schon können wir an Bord gehen. Kreuzfahrtdirektor Stelios Vafiadis, ein gebürtiger Hamburger mit griechischer Abstammung, begrüßt die neu ankommenden Gäste bereits an der Gangway. Mit einem Lächeln im Gesicht und einem Sektglas in der Hand gehen wir zu unserer Kabine 269, einer „Superior Innenkabine“ auf dem Hauptdeck. Strategisch gut gelegen, denn von dort sind es nur wenige Meter bis zur „Sirocco Lounge“, wo allabendlich ein kleines Showprogramm und ebenso die Landausflüge präsentiert werden. Ein Deck über unserer Kabine befindet sich das Promenadendeck. Praktisch, denn hier sind unter anderem die großzügige Bibliothek und das „Verandah Buffetrestaurant“, wo wir uns gleich eine kleine, leckere Stärkung gönnen. Ein Lieblingsplatz ist auf der „MS Berlin“ ganz schnell gefunden. Nur noch wenige Kreuzfahrtschiffe haben ein offenes Achterdeck. Hier auf der „Berlin“ befinden sich rund um den kleinen Pool jede Menge Sitzmöglichkeiten mit Blick aufs offene Meer. Das „Verandah“-Buffetrestaurant inklusive Grillstation ist nur wenige Meter entfernt und wird zum favorisierten Speiseort bei fast jeder Mahlzeit. 

Nach der obligatorischen Rettungsübung in der „Sirocco“-Lounge werden fix die Koffer ausgepackt. Die Kabine ist mit 13 qm ausreichend groß, verfügt über zwei getrennte Betten und ein Bad samt Dusche. Ein kleiner Flachbild-Fernseher und eine Minibar sind auch vorhanden. Sogar Bademäntel werden kostenlos in der Kabine bereitgestellt, schließlich befindet sich auf dem untersten Deck, neben einem kleinen Gymnastikraum und einem Behandlungsraum für Massagen und Fußpflege, auch eine recht respektable Trockensauna. 

Die „MS Berlin“ wurde von der in Kiel ansässigen Howaldtswerke-Deutsche Werft gebaut und 1980 an die Reederei Peter Deilmann ausgeliefert. Als Vier-Sterne-plus-Kreuzfahrtschiff wurde sie zwischen 1986 und 1998 als „Traumschiff“ der gleichnamigen ZDF-Fernsehserie bekannt. Sicher ist der Glanz vergangener Jahre nicht mehr ganz so funkelnd, aber noch immer verfügt die „Berlin“ über viel Charme und Herzlichkeit, die von den knapp 190 Crewmitgliedern auf die maximal 412 Passagiere übertragen wird. 

In der Sommersaison kreuzt das Schiff vornehmlich im Nordland, in der Ostsee oder im Mittelmeer umher. Im Winter bietet der Veranstalter FTI Cruises beliebte Reisen in die Karibik und rund um Kuba an. Auch für Charterreisen großer Reiseveranstalter oder Event- und Themenreisen wie beispielsweise eine „Wanderreise“ in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Wanderverband (25.4. bis 5.5.2018 | von Venedig nach Nizza) oder eine „Schlagerkreuzfahrt“ (10.9. bis 16.9.2018 | von Kiel nach Bremerhaven) steht die „MS Berlin“ mit attraktiven Kreuzfahrten den vielen Stammgästen zur Verfügung. Wir haben uns für eine recht seltene, aber umso spannendere Reise durch die Adria entschieden. In sieben Tagen werden wir zehn verschiedene Häfen an der kroatischen und slowenischen Küste mit recht großzügigen Liegezeiten anlaufen. Das ist natürlich nur aufgrund der geringen Distanzen zwischen den jeweiligen Zielen möglich. Das Reisevergnügen leidet darunter keinesfalls, ganz im Gegenteil.  

Das erste Highlight unserer Reise folgt nur wenige Minuten nach dem Ablegen des Schiffes. Der Abend ist längst angebrochen, überall scheinen romantisch die Straßenlaternen, die berühmtesten Gebäude der Stadt werden prunkvoll angeleuchtet und die „Berlin“ schiebt sich im Zeitlupentempo über den Lido und den Giudecca-Kanal am Markusplatz vorbei. Ein unvergessliches Erlebnis. In wenigen Jahren könnte so eine Fahrt aufgrund neuer Umweltschutzauflagen der Vergangenheit angehören. Gemeinsam mit den anderen Gästen genießen wir auf dem offenen Promenadendeck diesen Moment der Stille und des faszinierenden Ausblicks. Gänsehaut pur! Den Abend lassen wir bei einem Cocktail und gelassener, jazziger Live-Musik im Yacht Club ausklingen. 

Erstes Ziel unserer Kreuzfahrt ist die kroatische Stadt Zadar, direkt an der dalmatinischen Küste gelegen. Ein Bummel durch die engen Gassen der romantischen Altstadt würde sich bei angenehm warmen Herbsttemperaturen sicher anbieten. Vor ein paar Jahren durften wir Zadar schon einmal kennenlernen und waren begeistert. Dieses Mal entschließen wir uns für einen individuellen Ausflug zum Nationalpark rund um die Plitvicer Seen. 120 Kilometer atemberaubende Landschaft stehen uns bevor. Wir passieren die Maslenica-Brücke, die im Kroatienkrieg Schauplatz heftiger Kämpfe wurde und am 21. November 1991 gänzlich zerstört wurde. Aufgrund ihrer wichtigen Bedeutung, der Überquerung der 150 Meter breiten Meerenge von Maslenica, wurde die Brücke nach dem Krieg innerhalb von 18 Monaten neu errichtet. Die Bogenspann-Brücke aus Stahl hat eine Höhe von 55 Metern. Wer mutig ist, kann sich beim Bungeespringen hinabstürzen. Was wir aber lieber sein lassen. Stattdessen genießen wir die Landschaft, kaufen an den unzähligen Ständen am Straßenrand ein paar Gläser leckeren Honig ein und machen uns auf den Weg zu den Wasserfällen der Plitvicer Seen. Der knapp 300 Quadratkilometer große Nationalpark gehört seit 1979 zum UNESCO-Welterbe und liegt im hügeligen Karstgebiet Mittelkroatiens. Jährlich kommen über eine Million Besucher und erleben für 110 Kuna (ca. 15 Euro) Tageseintritt eine spektakulär schöne Naturlandschaft. Zahlreiche Kaskaden und Wasserfälle mit besonders reinem Wasser, dazu viele seltene Tier- und Pflanzenarten, die sich in einigen Gebieten zu einem Urwald zusammenfinden. Im deutschsprachigen Raum wurde dieser Park durch die zahlreichen Karl-May-Verfilmungen in den 1960er-Jahren bekannt. Noch immer bleibt die Erinnerung, wie Winnetou und Old Shatterhand an den Seen und Wasserfällen mit ihren Pferden Iitschi und Hatatitla vorbeireiten, unvergessen. Stundenlang wandern wir durch den Park und irgendwann ist es wieder Zeit, zum Schiff zurückzukehren. Als die „MS Berlin“ um 20 Uhr die Leinen losmacht, sitzen wir bereits im Restaurant und freuen uns über die Einladung zum gemeinsamen Abendessen mit Kapitän Alberto Tarozzi. Der gebürtige Italiener mit Vorfahren aus Österreich und Istrien blickt auf eine fast vier Jahrzehnte lange Erfahrung als Kapitän zurück. Er war jüngster Kapitän der italienischen Marine, steuerte etliche Handels- und Tankschiffe, bevor er von Transport- auf Passagierschiffe wechselte. Unter seinem Kommando steuerte er unter anderem die „Queen Elisabeth“ und seit 2014 darf er die „MS Berlin“ als sein Zuhause bezeichnen. Ein gutes Gefühl, auf einem Schiff zu sein, das von einem so erfahrenen Kapitän gesteuert wird und der zudem auch menschlich sehr sympathisch ist. Bei einem großartigen Viergänge-Menü genießen wir einen unterhaltsamen Abend. 

Am nächsten Morgen erreichen wir die Hafenstadt Split. Aufgrund der etwas kürzeren Liegezeit von nur fünf Stunden starten wir gemütlicher in den Tag. Die zweitgrößte Stadt Kroatiens ist ein wahres Freilichtmuseum. In der Altstadt begegnet einem die 1700 Jahre alte Geschichte Splits überall. Seit 1979 gehört der mächtige „Palast des Diokletian“ zum UNESCO-Weltkulturerbe. Ein Bummel durch die Stadt gleicht einer Zeitreise in die Antike. Überall sind mächtige Säulen, Plätze und Gebäude aus der römischen Epoche zu bestaunen. Bevor die „MS Berlin“ die Leinen wieder losmacht, bleibt noch Zeit für einen Kaffee an der pulsierenden Uferpromenade Riva. 

Nach wenigen Stunden Fahrzeit lässt Kapitän Tarozzi die Anker werfen und die Crew bereitet die Tenderboote vor. Die Abendstunden verbringen die Gäste auf der Insel Hvar, auch die „Königin unter den dalmatinischen Inseln“ genannt. Ein malerischer Stadthafen mit zahlreichen Cafés und Restaurants, enge, verwinkelte Gassen mit handgearbeiteten Souvenirs und lokalen Köstlichkeiten begeistern die Kreuzfahrtgäste während ihres Landgangs. Wer etwas Puste hat, spaziert den Hang zur Festung Fortica hinauf und genießt von dort den Blick auf die Bucht, wo neben der „Berlin“ auch zahlreiche Luxusyachten ankern. Mit dem letzten Tenderboot geht es zurück zum Schiff. Bei einem leckeren Rotwein und einem guten Abendessen auf dem Achterdeck genießen wir die warme Seeluft und freuen uns schon auf den nächsten Tag. 

In den frühen Morgenstunden fährt die „Berlin“ in die tiefe Bucht von Kotor hinein. Die kleine Stadt mit etwas über 5000 Einwohnern ist umringt von bis zu 1894 Meter hohen Bergketten. Seit 1979 zählt die montenegrinische Hafenstadt mit ihren vielen kulturhistorischen Bauwerken zum UNESCO-Weltkultur- und Naturerbe. Mittlerweile steuern viele kleine und zunehmend auch große Kreuzfahrtschiffe den geschützten Naturhafen an. Mit der „MS Berlin“ haben wir das Glück, dass wir an der einzigen und auch nur für recht kleine Schiffe geeigneten Hafenpier anlegen können und dürfen. Von dort sind es nur wenige hundert Meter Fußweg und wir befinden uns direkt hinter den dicken Mauern der Altstadt, im Herzen Kotors. Sehenswert ist sicher die romanische Sankt-Tryphon-Kathedrale im Stadtzentrum, die zurecht als schönste Kirche Montenegros bezeichnet werden darf. Ein Bummel durch die vielen verwinkelten Gassen der Altstadt steht aber an diesem Tag nicht auf dem Programm. Vielmehr soll ein häufig vorgenommenes, aber bisher nie realisiertes Vorhaben umgesetzt werden. Meist waren die Temperaturen bei vorherigen Besuchen in Kotor so heiß, dass ein Aufstieg auf die 4,5 Kilometer langen und bis zu 260 Meter hohen Verteidigungsanlagen nur zum Preis eines vorprogrammierten Hitzschlags möglich gewesen wären. Nun ist es endlich soweit. 2 Euro Eintritt werden bezahlt und mit festem Schuhwerk geht es über Geröll und unzählige Steinstufen hinauf zur alten Festung und Zitadelle. Der Aufstieg ist schon recht abenteuerlich, aber schweißtriefend oben angekommen, wird man mit dem „Eine-Million-Dollar-Blick“ belohnt. Mit einem vollen Speicherchip der Kamera kann es dann fröhlich wieder hinuntergehen. Unten in der Altstadt angekommen, bleibt noch Zeit für ein leckeres Eis in einem kleinen Café. Am frühen Nachmittag setzt die „Berlin“ mit ihren teils sehr erschöpften, aber glücklichen Gästen die Reise fort. Wir steuern unser nächstes Highlight, die Perle der Adria, Dubrovnik an. 

Gegen Abend erreichen wir auf unserer Reise durch die Adria den südlichsten Punkt: Dubrovnik – einst und noch heute das kulturelle Zentrum Kroatiens. Bedeutende Dichter, Künstler, Gelehrte, Mathematiker und Physiker stammen aus dieser Stadt. Aufgrund ihrer strategisch guten Lage an der Adriaküste wurde Dubrovnik über viele Jahrhunderte nicht nur zum geistigen, sondern auch wirtschaftlichen Zentrum des Landes. Der Kroatienkrieg fügte der 1979 zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärten Altstadt heftige Schäden zu. Auch viele Zivilisten kamen bei Angriffen ums Leben. Mittlerweile konnten zumindest die materiellen Schäden behoben werden und Dubrovnik ist wieder eins der beliebtesten Urlaubsziele an der gesamten Adriaküste. Jedes Kreuzfahrtschiff wird in dieser Region auch einen Stopp in der wunderschönen Hafenstadt einplanen. In den Sommermonaten kann dies in der von dicken Mauern umgebenen Altstadt zu großen Touristenscharen in den Gassen und völlig überfüllten Cafés und Restaurants führen. Die „Berlin“ hat wieder einmal einen perfekten Zeitplan und legt erst am Abend dort an. Die großen Kreuzfahrtschiffe haben den Hafen längst verlassen. Mit einem Leihwagen geht es in die wunderschön beleuchtete Altstadt. Die Bars sind leerer und die Kellner wieder deutlich entspannter als vor wenigen Stunden. Was für ein Leben, so schön kann eine Reise durch die Adria sein!

Unser Schiff bleibt im Hafen von Dubrovnik und ein neuer Tag bricht an. Nachdem wir am Abend zuvor schon den Drehort von zahlreichen Szenen der beliebten Fantasy-Fernsehserie „Game of Thrones“ von seiner schönsten Seite genießen durften, steht heute ein Ausflug in die Kleinstadt Ston auf der Halbinsel Pelješac an. In der Nähe sollen sich auch einige der bedeutendsten Weingebiete Kroatiens befinden, die wir uns in Kombination mit einer kleinen Geschmacksprobe natürlich genauer anschauen wollen. Mit viel Glück haben wir den wohl letzten Leihwagen in ganz Dubrovnik anmieten können. Ein uralter Dacia Logan, bei dem die Fensterscheiben nicht mehr zu öffnen sind, die Klimaanlage laut brüllt und wohl bald den Geist aufgibt. Der Kilometerzähler hat die 300.000er-Marke schon locker überschritten und irgendwie machen auch die Bremsscheiben ein auffällig kreischendes Geräusch. An was für einen Vermieter sind wir hier wohl geraten? Okay, der Wagen war günstig und nun hoffen wir, dass er zumindest heute noch seinen Dienst tut. Entlang der Küstenstraße fahren wir knapp eine Stunde gen Norden und erreichen schon bald die Stadt Ston, die direkt an der schmalen Landenge zwischen der Halbinsel Pelješac und dem Festland liegt. Aufgrund dieser strategischen Lage errichtete man hier im 14. Jahrhundert eine riesige Befestigungsanlage. Neben einer fünf Kilometer langen Mauer entstanden 40 Türme und so konnte der Zugang zur Halbinsel von dort aus vollständig kontrolliert werden. Europas längste, fast vollständig erhaltene Festungsmauer ist heute Touristen vorbehalten. Die besonders sportlichen Besucher sollten sich zum „STONe Wall Marathon“ (2018 findet dieser am 23. September statt) anmelden. Die Laufstrecke führt entlang der Adriaküste, durch die kleine Altstadt von Ston, aber auch einmal eine gesamte Runde auf den Befestigungsanlagen, die sich entlang des Berges hochschrauben. Der Marathon soll eine echte Tortur sein und doch steigen die Anmeldezahlen jährlich stark an. Wir lassen so etwas lieber bleiben und genießen stattdessen lieber ein Gericht mit frisch gebratenem Tintenfisch, eine echte Delikatesse in dieser Region. 

Mit unserem alten Leih-Dacia geht’s noch ein paar Kilometer weiter. Die Halbinsel Pelješac gehört zu den bedeutendsten Weinbaugebieten Kroatiens. Hier wird der Rotwein „Mali Plavac“, der „Kleine Blaue“ angebaut, der schon häufig Prädikatsauszeichnungen erhielt. Der Weinanbau auf Pelješac ist eine echte Herausforderung. Auf stufigen Terrassen werden die Weinreben auf steinernen Böden und erdiger Kruste gepflanzt, die Hänge neigen sich dabei steil zum Meer hinab. Im Sommer brennt die Sonne, trocknet die Böden fast vollständig aus und der teils kräftige Wind vom Meer trägt ein Übriges zur beschwerlichen Bewässerung und Pflege der Weingebiete bei. Das Resultat dieser schweren Arbeit lohnt sich aber dennoch. In einem kleinen Weingut lassen wir uns die verschiedenen Rebsorten erklären und nippen den einen oder anderen Tropfen, schließlich muss unser Dacia wieder pünktlich zurück in Dubrovnik ankommen. Ohne Panne erreichen wir als letzte Gäste die „Berlin“, unser Zuhause für diese spannende Kreuzfahrt durch die Adria. 

In Zadar und Dubrovnik hatte es perfekt geklappt. Mit der spontanen Entscheidung, vor Ort einen Leihwagen zu organisieren, konnten wir unsere Landausflüge ganz individuell zusammenstellen. Im nächsten Hafen Ploce wollten wir dies mit einem Ausflug ins 70 Kilometer entfernte Mostar wiederholen. Was für eine Panne! Es ist Sonntag und Ploce ist alles andere als eine touristische Hochburg. Die Geschäfte haben geschlossen und sogar der einzige Anbieter für Mietwagen, eine Fahrschule, die gelegentlich ein Auto verleiht, hat heute geschlossen. Bliebe ein Taxi, denn die vom Schiff organisierten Ausflugsbusse haben sich schon frühmorgens auf den Weg nach Mostar begeben. Taxi? Wir fragen verschiedene Anwohner und alle schauen uns verwundert an. So etwas gibt es hier nicht. Sollte man eins benötigen, dann müsse man dieses aus dem 50 Kilometer entfernten Küstenort Makarska bestellen. Aha, und der Linienbus nach Mostar fährt auch nur einmal pro Tag, an Werktagen wohlgemerkt. „Ach, was soll’s“, denken wir uns, packen unsere Kamera und ziehen ein paar Runden durch die Stadt. Wir trinken dort einen Café (ein Lokal hat selbst am Sonntag geöffnet) und kommen mit einem Foto (Motiv: „MS Berlin“ im Industriehafen Ploce) zurück aufs Schiff. Mostar wäre mit seinem mittelalterlichen Wahrzeichen, der Stari Most (Alte Brücke), sicher ein schöner Ausflug geworden, aber nun haben wir einen guten Grund, zurückzukehren. Auf dem Sonnendeck der „Berlin“ genießen wir einen entspannten Tag; wir lesen Bücher, trinken Cocktails, quatschen und spielen reichlich Kniffel. 

Am nächsten Tag erreichen wir die Insel Rab in der Kvarner Bucht, wo die „Berlin“ den Anker werfen muss und die Passagiere wieder mit Tenderbooten an Land gebracht werden. Die Altstadt von Rab ist noch heute ein lebendiges Beispiel für den wirtschaftlichen Glanz und den gesellschaftlichen Status, den die Insel schon in vergangenen Jahrhunderten innehatte. Die kroatische Lieblingsinsel der Deutschen besticht mit ihrer Beschaulichkeit und den ca. 2500 Sonnenstunden pro Jahr. Nach einem kleinen Stadtbummel bleibt noch ausreichend Zeit, um einige Badebuchten mit ihren herrlichen Stränden genauer anzuschauen. Gegen Mittag zieht dichter Nebel auf und es wird Zeit, dass wir mit unseren Tenderbooten zurück zum Schiff kommen. 

Fast gespenstisch ist die Atmosphäre, als wir am späteren Abend in den Hafen von Pula einfahren. Der Nebel hatte sich noch weiter verdichtet und nur ein Kapitän wie Alberto Tarozzi meistert so eine Herausforderung mit langjähriger Erfahrung. Als wir das nur wenige hundert Meter entfernte Wahrzeichen der Stadt, das von Kaiser Augustus erbaute Amphitheater, erblicken, sind wir unserem Kapitän besonders dankbar, dass er die Hafenstadt an der Südspitze der Halbinsel Istrien überhaupt anlaufen konnte. Nachts, wunderschön beleuchtet und leicht im Nebel eingehüllt, baut sich das 133 Meter x 105 Meter große Amphitheater vor uns auf. 23.000 Menschen fanden dort Platz und es ist damit eines der größten von den Römern erbauten Amphitheater. Wir können uns nicht sattsehen, machen unzählige Fotos und fühlen uns wie auf einer Zeitreise zu den Gladiatoren ins Römische Reich. Was für ein spannender Ort! Gegen Mitternacht kehren wir zurück zur „Berlin“ und am nächsten Morgen sind wir schon an einem neuen Ort, in der slowenischen Hafenstadt Koper. 

Auf unseren letzten Reisetag haben wir uns gut vorbereitet. Frühmorgens erkunden wir die Altstadt, wo wir uns unter anderem den Prätorenpalast aus dem 15. Jahrhundert und die Maria-Himmelfahrt-Kathedrale anschauen. Dieses Mal haben wir uns bei einer Autovermietung einen Leihwagen vorbestellt und machen uns fix auf den Weg zu unserem ersten Etappenziel, der Höhle von Postojna. Sie wird auch als „Königin aller Höhlen“ bezeichnet und ist eine der bekanntesten Karsthöhlen der Welt. Nicht ohne Grund ist sie deshalb auch die größte Touristenattraktion in ganz Slowenien. Mit einem elektrischen Zug geht es einige Kilometer hinein in diese unterirdische Landschaft. Fasziniert bestaunen wir bei einem fast zweistündigen Rundgang das Netz von Tunneln, Passagen, Galerien und Hallen. Wow! Die Postojna-Höhle gehört mit Sicherheit auf die berühmte „Wunschliste des Lebens“ – wir machen einen Haken dran. 

Noch ein weiteres Ziel haben wir uns an diesem Tag vorgenommen: Ljubljana, die Hauptstadt Sloweniens mit ihren knapp 300.000 Einwohnern. Eine Stadt mit viel Geschichte. Die Römer, Österreicher, Franzosen, Italiener und Deutschen waren hier. Nach dem Zweiten Weltkrieg war Slowenien Teil Jugoslawiens und erst im Jahr 1991 feierte das Land mit seiner Hauptstadt Ljubljana seine Unabhängigkeit. Seitdem ist viel passiert. Modern und weltoffen präsentiert sich ein Großteil der Bevölkerung. Gleich vier Universitäten des Landes haben ihren Sitz in der Hauptstadt. Über 70.000 Studenten prägen das Stadtbild. Natürlich sind wir begeistert von den zahlreichen Sehenswürdigkeiten der Stadt. Bauten des slowenischen Architekten Jože Plecnik wie beispielsweise die „Tromostovje“-Brücke (deutsch: Drei Brücken) oder das Bibliotheksgebäude sind faszinierend und werden auf den Speicherchips der zunehmend ansteigenden Anzahl von Touristen festgehalten. Die einzigartige Magie Ljubljanas geht aber von ihrem kleinen, sie durchquerenden Fluss aus. Hier befinden sich unzählige Cafés und Restaurants, Straßenkünstler präsentieren sich, kleine Ausflugsboote lassen Touristen die Altstadt von der Wasserseite aus erkunden. Das gemäßigte Klima versprüht zudem ein ganz spezielles mediterranes Flair in der Stadt. Ein Ort zum Wohlfühlen und noch eine fast unentdeckte Perle. Nachdem wir uns ein weiteres Wahrzeichen der Stadt, die „Drachenbrücke“, angeschaut haben, geht es wieder zurück nach Koper, wo „unsere Berlin“ auf die Abfahrt zum letzten Ziel unserer Kreuzfahrt wartet.

Dichter Nebel empfängt uns bei der Einfahrt in die Lagunenstadt Venedig. Kapitän Tarozzi hatte sich früh mit den Hafenbehörden in Verbindung gesetzt und die Schiffsmotoren auf Vollgas gestellt. Die „Berlin“ ist das letzte Kreuzfahrtschiff, das am frühen Morgen noch die Erlaubnis zur Einfahrt in den Lido und Giudecca-Kanal erhält. Andere Schiffe müssen warten und zahlreiche Passagiere werden an diesem Tag ihre gebuchten Rückflüge verpassen. Wir haben Glück und ziehen am Ende einer großartigen Kreuzfahrt durch die Adria ein absolut positives Resümee. Kleine Schiffe wie die „MS Berlin“ haben einfach den großen Vorteil, auch kleine Häfen, fast unentdeckte touristische Perlen anzulaufen. Und nicht immer kommt es bei einer Kreuzfahrt auf das Zurücklegen von tausenden Seemeilen innerhalb einer Woche an. Kurze Distanzen ermöglichen viele Landgänge und längere Liegezeiten. Ganz bestimmt wird dies nicht unsere letzte Reise mit der „Berlin“ und ihrer sympathischen Crew gewesen sein.